Omnis enim res, quae dando non deficit, dum habetur et non datur, nondum habetur, quomodo habenda est.

Denn jede Sache, die durch Weitergabe an andere nicht verliert, besitzt man noch nicht, wie man soll, solange sie nur besessen und nicht weitergegeben wird.

Augustinus


Die Leitlinien des Handschriftenportals

Das Handschriftenportal soll nicht nur ein leistungsstarkes Findinstrument der in deutschen Institutionen befindlichen Handschriften werden, sondern auch ein hoch performantes Arbeitswerkzeug, mit dessen Hilfe auch etwa kleinste Details im Digitalisat erkannt werden können. Dies wird durch die Integration IIIF-fähiger Images über Schnittstellen (APIs) erreicht. Der für diesen Zweck weiterentwickelte IIIF-Viewer Mirador 3 wird eine leistungsfähige Zoomfunktion und das Nebeneinanderlegen von Ressourcen aus verschiedenen Quellen erlauben. Damit wird eine tiefgehende paläographische, philologische oder kunsthistorische Arbeit von verschiedenen digitalen Endgeräten aus möglich.

Mehr zum aktuellen Entwicklungsstand

Erste Evaluation des Mirador-Viewers mit Fokus auf Barrierearmut

Geringe Ladezeiten, die klare Navigation durch den Katalog, eine intuitive Suchfunktion – all das sind Ansprüche, die an moderne Online-Services herangetragen werden und denen das Handschriftenportal gerecht werden möchte.

Zu diesem Zweck wurden zum einen sogenannte Use Cases (Nutzungsszenarien) entwickelt, die die Wege von Nutzer:innen durch das Portal antizipieren. Neben anderen Usability-Expert:innen, die das Projekt begleiten wie z. B. der Genfer Lehrstuhl um Prof. René Schneider, unterstützt der Dienstleister Outermedia – ausgezeichnet mit dem iF Design Award 2019 – die Kreation des UX-Designs für das Handschriftenportal. Das Ziel: ein Werkzeug zur Verfügung stellen, mit dem alle Zielgruppen gern und effektiv arbeiten werden.

Die Basis des Handschriftenportals bildet der Datenbestand des Onlinekatalogs Manuscripta Mediaevalia (ManuMed). Die Normierung der in den Beschreibungen vorhandenen Kerndaten war bislang jedoch vielfach uneinheitlich.

Ein Projektziel ist daher die sogenannte ‘Daten-Qualitätsoffensive’, die fehlende Beschreibungsvolltexte ergänzen, Strukturen vereinheitlichen und wichtige Metadaten in einem ersten Anlauf mit den entsprechenden Normansetzungen der Gemeinsamen Normdatei (GND) verknüpfen soll. Den einzelnen Handschriften – repräsentiert in sogenannten Kulturobjektdokumenten (KOD) – erhalten eindeutige Identifier und werden so zu zentralen Ankern für alle verfügbaren Beschreibungsinformationen und Digitalisaten. Diese KODs sollen in einer späteren Projektphase an die GND weitergegeben und dort als ‚Schriftdenkmäler‘ persistiert werden. Damit wird das Handschriftenportal nicht nur Standards nutzen, um eindeutige Referenzierungen zu gewährleisten, sondern diese auch selbst setzen.

Das Erfassungsmodul wird es Bibliotheken, Archiven und anderen handschriftenbesitzenden Institutionen zudem ermöglichen, neue Erschließungsdaten – seien es Text- oder Bildmetadaten – in das Handschriftenportal einzupflegen. Um eine kontinuierlich hohe Qualität der im Portal abrufbaren Daten gewährleisten zu können, ist die Formulierung und Einhaltung eindeutiger Standards ebenso notwendig wie eine entsprechende Datenvalidierung vor dem Upload in das Handschriftenportal.

Mehr zur Datenqualitätsoffensive

Die möglichen Nutzungsszenarien der im Handschriftenportal bereitgestellten Metadaten sind zahlreich: Informationen können von Bibliotheken, Archiven und Museen für eigene (Digitalisierungs-)Projekte an standardisierten Schnittstellen nachgenutzt werden. Auch im Bereich Digital Humanities ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten, so beispielsweise für Soziale Netzwerkanalysen (Social Network Analysis) oder die Provenienzforschung.

Das Handschriftenportal wird Daten über eine Exportschnittstelle nach einem differenzierten, möglichst liberalen Creative-Commons-Lizenzierungsmodell zur Nachnutzung durch Einzelpersonen, in lokalen Angeboten sowie anderen Online-Portalen bereitstellen.

Im digitalen Kontext bedeutet ‚Nachhaltigkeit‘ insbesondere, Ressourcen über die Zeit hinweg nutzbar zu machen – und zu halten. Dieses Ziel ist mit infrastrukturellen Fragen verbunden: Können regelmäßige Updates gewährleistet werden und sind die einzelnen Komponenten dann noch miteinander kompatibel? Ist die dauerhafte Nutzung von Ressourcen rechtlich sichergestellt?

Um den genannten Ansprüchen gerecht zu werden, greift das Handschriftenportal-Projekt möglichst auf Open-Source-Lösungen zurück: Unter anderem der IIIF-fähige Mirador-Viewer basiert auf einem offenen und damit transparenten Quellcode, der von der UBL in Kooperation mit der Universität Stanford weiterentwickelt wird. Auch die Eigenentwicklungen der SBB werden nach Projektende als Open-Source-Software veröffentlicht. Zentral ist zudem die Arbeit mit voneinander unabhängigen Systemmodulen – sogenannten Microservices –, die unabhängig voneinander entwickelt und installiert werden. Dieser Ansatz ermöglicht unter anderem mehr Technologiefreiheit, schnellere Anpassungsmöglichkeiten und die Skalierbarkeit des einzelnen Microservice.

Die Staatsbibliothek zu Berlin ist mit der Bereitstellung der technischen Infrastruktur betraut und für die Sicherung vor Cyberangriffen und Datenschutzverletzungen verantwortlich. Zu diesem Zweck werden virtuelle Server im größeren Rechnerverbund der Staatsbibliothek genutzt. Entsprechende Firewalls, die sorgfältige Auswahl und eigene Entwicklung von Software-Komponenten sowie engmaschige Sicherheitsupdates bieten größtmöglichen Schutz vor unbefugten Zugriffen.

Ob Mediävist, Bibliothekarin, Student oder Kunsthistorikerin: Die Gründe, weshalb sich Personen für eine Handschrift interessieren, sind vielfältig und beeinflussen selbstverständlich auch das ‚Wie‘ der Nutzung: Liegt der Fokus eher auf den überlieferten Texten, dem Schriftbild oder auf den Illuminationen? Werden Wasserzeichen erforscht oder interessiert man sich für Schreiber-Netzwerke?

Das zukünftige Handschriftenportal soll mit Nutzungsgewohnheiten konform gehen und gleichzeitig Funktionalitäten bieten, die bisher bei der Arbeit mit Virtuellen Bibliotheken vermisst wurden. Um die verschiedenen Nutzungsszenarien abbilden zu können, werden bereits während der Entwicklungsphase des Handschriftenportals Umfragen, Workshops und Usability-Tests durchgeführt. Der aktive Dialog mit den Zielgruppen ermöglicht es, Desiderate zu erkennen, Wünsche aufzunehmen – und erste Entwürfe (Mockups) auf ihre Tauglichkeit zu testen.

Mehr zur Zielgruppe 1 | Wissenschaftler:innen unterschiedlichster Fachdisziplinen

Mehr zur Zielgruppe 2 | Bibliothek, Archiv, verwandte Nachweissysteme

Mehr zur Kommunikationsstrategie

So unterschiedlich die persönlichen Interessen der Nutzer:innen sind, so vielfältig sind auch die Erfahrungen im Umgang mit bereits existierenden Virtuellen Bibliotheken. Daher wird das Handschriftenportal nach seiner Produktivschaltung diverse Schulungsmöglichkeiten anbieten: Neben Benutzungshinweisen auf der Website werden Workshops veranstaltet sowie Best Practices erstellt, die eventuelle Hürden beseitigen sollen. Entsprechende Veranstaltungstermine werden über den Ende 2020 abonnierbaren Newsletter sowie die News-Seite und den Twitterkanal bekannt gegeben.